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Die Soldaten am Limes gehörten zu den so genannten Hilfstruppen (auxiliares) der römischen Armee. Sie waren in Kastellen stationiert, die nach einem einheitlichen Schema aufgebaut waren.
Die Kastelle hatten einen rechteckigen Grundriss mit abgerundeten Ecken und bis zu vier gegenüberliegende Toranlagen. In der Mitte eines Kastells befand sich das Stabgebäude (pricipia). Meist standen im mittleren Bereich auch das Wohnhaus des Kommandanten (praetorium), Speicherbauten (horrea), Werkstattgebäude (fabricae) und manchmal auch ein Lazarett (valetudinarium). Mannschaftsbaracken und Stallungen für berittene Einheiten waren im vorderen und hinteren Bereich untergebracht.
Diese immer gleichen Aufteilungen hatten den Vorteil, dass die Soldaten stets die gleichen Voraussetzungen vorfanden, wenn sie in andere Lager versetzt wurden.
Auf dem heutigen Erlenseer Gebiet standen in römischer Zeit 2 Kastelle, ein Kleinkastell im östlichen Teil des alten Friedhofs von Langendiebach und ein Großkastell in Rückingen am Ortsausgang Richtung Hanau zwischen Leipziger Straße und Kinzig.
Oberirdische Spuren sind von beiden Anlagen nicht mehr sichtbar.
Das Kastell in Rückingen ist zwischen 110 und 125 n. Chr. also zur Zeit des römischen Kaisers Hadrian entstanden und diente dem Schutz des strategisch wichtigen Kreuzungspunkts des Limes und der alten Kinzigstraße.
Das Steinkastell lag nördlich der aufgemauerten Reste des Römerbades. Es hatte eine Größe von 180 Meter Länge und 140 Meter Breite (eine Fläche von 2,5 ha), die Ecken waren in einem Radius von 14 m abgerundet. Die Umfassungsmauer hatte eine Stärke von 1,50 m und war mit zwei umlaufenden Gräben gesichert. Vier Tore mit je zwei Wehrtürmen bildeten die Zugänge von Norden, Süden, Osten und Westen. Im Gegensatz zu anderen Kastellen gab es in den Mauern keine weiteren Türme.
Das Kastell lag etwa im Bereich der Hochhäuser der Kastellstraße zwischen Leipziger Straße und Römerstraße und reichte im Osten etwa bis Höhe der Straße "An der Wüstung". Die Leipziger Straße, wies bisher eine leichte Kurve an der nordwestlichen Ecke des Kastells auf, durch den Umbau der Leipziger Straße wird diese Kurve künftig jedoch verschwinden. Die Kastellstraße ist ungefähr mit der Straße, die durch das Südtor des Kastells führte, identisch.
Die Besatzung des Kastells war die 500 Mann starke Cohors III Dalmatarum. Die Einheit war um das Jahr 10 n. Chr. aus Bewohnern der römischen Provinz Dalmatien als Hilfstruppe zur Unterstützung der römischen Legionen aufgestellt worden. Sie kam also ursprünglich vom Balkan. Seit dem Bataverkrieg (69/70 n. Chr.) gehörte sie zum niedergermanischen Heer. Ab 89 nach Christus führte sie wegen besonderer loyaler Haltung gegenüber Kaiser Domitian den Ehrentitel pia fidelis (die zuverlässige, getreue) Kurz danach wurde sie aus der Provinz Niedergermanien nach Obergermanien versetzt, wo die Fußtruppe in rasch wechselnder Folge eine Reihe von Garnisonsorten durchlief, bis sie zwischen 110 und 115 n. Chr. nach Rückingen verlegt wurde. Die hier stationierten Soldaten hatten die Aufgabe, den 300 m östlich vorbeilaufenden Limes und den Verlauf der Kinzig zu überwachen.
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